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Leise Last in den Beinen

Aktualisiert: vor 2 Tagen

Im Landesklinikum Melk werden Venenerkrankungen individuell, minimal-invasiv und patientenorientiert auf dem neuesten Wissensstand behandelt.


Mit den steigenden Temperaturen rücken auch unsere Beine wieder verstärkt in den Fokus. Und damit oft venöse Beschwerden, die lange übersehen oder ignoriert wurden.

Denn viele Menschen empfinden Krampfadern zwar als ästhetisch störend, messen ihnen allerdings kaum medizinische Relevanz bei. Ein Trugschluss, wie Priv.-Doz.

DDr. Dominic Mühlberger, Oberarzt an der Abteilung für Chirurgie am Landesklinikum Melk, erklärt:

„Was wir an der Oberfläche sehen, ist oft nur ein kleiner Teil des eigentlichen Problems. Dahinter steckt häufig eine chronische Erkrankung des Venensystems. Tatsächlich sind Krampfadern Ausdruck einer Funktionsstörung: Die Venenklappen, die den Blutfluss Richtung Herz lenken sollen, schließen nicht mehr richtig. Das Blut sackt zurück, der Druck in den Gefäßen steigt und sucht sich neue Wege. Sichtbar wird dieser sogenannte venöse Reflux in Form von geschlängelten, erweiterten Venen.

Die meisten Betroffenen leben jahrelang nahezu beschwerdefrei mit Krampfadern. Doch unbehandelt können sich daraus ernsthafte Probleme entwickeln:

So zählen etwa Entzündungen der oberflächlichen Venen sowie Thrombosen - also Blutgerinnsel, die den Blutfluss behindern - zu den häufigsten Komplikationen. „Wir wissen mittlerweile, dass auch oberflächliche Thrombosen ein Risiko darstellen. Diese können sich in das tiefe Venensystem ausbreiten und im schlimmsten Fall eine Lungenembolie auslösen", warnt Mühlberger. Noch gravierender ist das „offene Bein" medizinisch Ulcus cruris genannt. Dabei handelt es sich um chronische Wunden, meist im Bereich des Knöchels, die aufgrund des dauerhaft erhöhten Venendrucks entstehen und nur schwer heilen. „Für die Betroffenen ist das eine enorme Belastung. Die meisten offenen Wunden schmerzen, riechen und schränken die Lebensqualität massiv ein", betont der Venenspezialist. Hinzu kommt eine oft unterschätzte soziale Komponente: Viele Betroffene ziehen sich zurück, vermeiden Aktivitäten oder schämen sich für die sichtbaren Veränderungen. Aus diesem Grund rät der Arzt dringend dazu, erste Warnzeichen ernst zu nehmen. Dazu zählen schwere, müde Beine, Spannungsgefühle, Hyperpigmentierung oder Juckreiz.

„Wenn sich die Haut verändert oder Beschwerden zunehmen, sollte man das abklären lassen. Je früher wir eingreifen, desto besser können wir den Verlauf beeinflussen." Auch die genetische Vorbelastung darf nicht außer Acht gelassen werden: Wer in der Familie Krampfadern hat, sollte besonders aufmerksam sein.


„Wenn sich die Haut verändert oder Beschwerden zunehmen, sollte man das abklären lassen. Je früher wir eingreifen, desto besser können wir den Verlauf beeinflussen."

Priv.-Doz. DDr. Dominic Mühlberger, Oberarzt an der Abteilung für Chirurgie am Landesklinikum Melk


BEHANDLUNG OHNE AUSFALLZEIT

Die Behandlung von Krampfadern hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Während früher größere chirurgische Eingriffe notwendig waren, setzt die moderne Medizin heute auf deutlich schonendere Methoden. „Im Grunde haben wir vier Hauptoptionen", erklärt Mühlberger: „Erstens Stripping, also die klassische Entfernung der Vene über einen Leistenschnitt. Zweitens endovenöse Verfahren, also die ultraschallgesteuerte Kathetertherapie.

Drittens die Schaumsklerosierung, bei der ein chemischer Schaum die Vene von innen verschließt. Viertens die Venenklappen-Reparatur, ein innovatives Verfahren, das die Vene erhält und die defekten Klappen wieder funktionsfähig macht" Die Auswahl hängt von mehreren Faktoren ab: Anatomie der Vene, Ausprägung der Krampfadern, Begleiterkrankungen, aber auch von den Wünschen des Patienten bzw. der Pati-entin. „Es gibt nicht die eine richtige Methode, aber es gibt die richtige Therapie für den richtigen Patienten", erklärt Mühlberger. „Shared Decision Making" spielt in der modernen Medizin eine immer größere Rolle.

Dabei werden medizinische Möglichkeiten, persönliche Lebensumstände und individuelle Wünsche gleichermaßen berücksichtigt. „Ich frage mich immer: würde ich diese Behandlung auch meinen eigenen Familienmitgliedern empfehlen? Wenn die Antwort la ist, dann ist es der richtige Weg", so der Spezialist. Ein wesentlicher Vorteil moderner Krampfadertherapien zeigt sich nicht nur im Eingriff, sondern vor allem danach: Die Rückkehr in den Alltag erfolgt erstaunlich schnell. „Die meisten Eingriffe finden tagesklinisch statt, die Patientinnen und Patienten können noch am selben Tag wieder nach Hause fahren und ihren gewohnten Alltag aufnehmen", erklärt Mühlberger.


HITZE STATT SKALPELL

Eine besonders schonende Therapieform sind endovenöse Verfahren, allen voran die Radiofrequenz-und Lasertherapie. Unter Ultraschallkontrolle wird ein dünner Katheter in die betroffene Vene eingebracht. Durch Hitzeeinwirkung zieht sich die Gefäß-wand zusammen, die Vene verschließt sich und wird in weiterer Folge vom Körper abgebaut. Der entscheidende Vorteil: Der Eingriff kommt ohne Vollnarkose aus. „Wir arbeiten in lokaler Betäubung", sagt Mühlberger. „Das bedeutet, die Patientinnen und Patienten sind wach, haben keine Narkosebelastung und erholen sich deutlich schneller" Neben Hitzeverfahren ist auch die Schaumverödung vielseitig einsetzbar und hochwirksam: „Dabei injizieren wir einen speziellen Schaum direkt in die Vene. Dieser reizt die Gefäßwand gezielt und sorgt dafür, dass sich die Vene verschließt. Das Prinzip ist chemisch statt thermisch: Das eingesetzte Verödungsmittel wird aufgeschäumt, wodurch es länger in Kontakt mit der Venenwand bleibt und gleichmäßiger wirkt. Die Folge ist eine kontrollierte Entzündungsreaktion, die die Vene zum Kollabieren bringt. Der Körper baut das verschlossene Gefäß in weiterer Folge ab. Besonders geeignet ist diese Methode für Patientinnen und Patienten, bei denen ein operativer Eingriff nicht ideal wäre. „Gerade bei älteren Menschen oder bei komplexeren Krankheitsbildern, etwa bei einem offenen Bein, ist die Schaumverödung oft die beste Option", so Mühlberger. Auch kleinere Gefäßveränderungen wie Besenreißer lassen sich auf diese Weise behandeln, wenn auch hier häufig eher der ästhetische Aspekt im Vordergrund steht.


BLICK UNTER DIE OBERFLÄCHE

So sichtbar Krampfadern an der Hautoberfläche sind, so verborgen liegt oft ihre eigentliche Ursache. Diese findet sich meist in den Stammvenen. „Wenn man nur die Krampfadern entfernt, aber die Hauptvene unbehandelt lässt, ist das ein taktischer Fehler. Dann kommt das Problem in der Regel schneller zurück", weiß Mühlberger. Deshalb besteht eine zeitgemäße Therapie aus zwei Komponenten: der Behandlung der insuffizienten Stammvene und der gleichzeitigen Entfernung oder Verödung der sichtbaren Krampfadern. Anstatt erkrankte Gefäße allerdings lediglich zu entfernen, denkt die moderne Venenmedizin zunehmend hin zum Erhalt. Ein Beispiel dafür ist die Venenklappen-Reparatur, ein Verfahren, das noch relativ neu ist, aber großes Potenzial birgt. „Im Prinzip versuchen wir, die Vene zu erhalten und die defekten Klappen wieder funktionsfähig zu machen", erklärt Mühlberger, der die Methode in den letzten Jahren an der Ruhr-Universität Bochum wissenschaftlich untersucht hat. Bisher bieten nur wenige Kliniken dieses Spezialverfahren an. Bei der Reparatur wird die Vene von außen stabilisiert, meist durch eine Art Manschette. Dadurch verkleinert sich ihr Durchmesser, und die Klappensegel können wieder korrekt schließen. „Das ist ein sehr eleganter Ansatz", so Mühlberger. ,Dass wir die Vene erhalten, kann später von Vorteil sein, wenn eine Patientin oder ein Patient einen Bypass benötigt" Denn bestimmte Venen, vor allem die große Rosenvene, werden in der Herz- oder Gefäschirurgie häufig als körpereigenes ,Ersatzrohr' verwendet. Wenn ein Herzkranzgefäß verengt ist, kann diese Vene entnommen und genutzt werden, um das Blut an der Engstelle vorbeizuleiten. Wurde die Vene jedoch zuvor entfernt, steht sie für solche Eingriffe nicht mehr zur Verfügung.

Künstliche Gefäße sind zwar eine Alternative, haben aber oft schlechtere Langzeitergebnisse. Allerdings eignen sich nur etwa zehn bis 15 Prozent aller Krampfader-Patientinnen und - Patienten dafür. Voraussetzung ist immer eine genaue fachärztliche Untersuchung mithilfe eines Ultraschalls.



Per Ultraschall werden der Blutfluss und die Funktion der Venenklappen sichtbar.






SELTENES KRANKHEITSBILD

Kürzlich therapierte der erfahrene Venenspezialist auch ein weiteres, lange unterschätztes Krankheitsbild am Landesklinikum Melk: das Pelvic Congestion Syndrome - eine chronische venöse Stauung im Becken-bereich, die vor allem Frauen betrifft.

„Das sind häufig Patientinnen zwischen 30 und 40 Jahren, oft nach mehreren Schwangerschaften", erklärt Mühlberger. Die Symptome sind unspezifisch: diffuse Unter-bauchschmerzen, Druckgefühl oder Beschwerden beim Geschlechtsver-kehr. Nicht selten werden diese fälschlicherweise anderen Erkrankungen wie Endometriose zugeord-net. Die Ursache liegt in erweiterten Venen im Becken, häufig in der Eier-stockvene. Das Blut staut sich, es entstehen Krampfadern - allerdings an einer Stelle, die äußerlich kaum sichtbar ist. „Viele sprechen nicht darüber, weil es ein sensibles Thema ist", so Mühlberger. Die Therapie erfolgt minimalinvasiv: Über einen Katheter werden kleine Spiralen oder andere Materialien eingebracht, die die betroffene Vene verschließen.


WARUM KRAMPFADERN ENTSTEHEN

Trotz aller Fortschritte bleibt eine zentrale Frage offen: Warum entstehen Krampfadern überhaupt?

„Wir wissen erstaunlich wenig darüber", gibt Mühlberger zu. Zwar sind Risikofaktoren wie genetische Veranlagung, Schwangerschaft oder Übergewicht bekannt, die eigentliche Ursache ist jedoch nicht vollständig geklärt. Eine Studie liefert Hinweise auf mögliche Mechanismen: Dabei wurden Zellen aus Nabelschnurvenen von Neugeborenen untersucht, also gewissermaßen „frische“, unbeeinflusste Gefäßzellen. Diese konnten sich im Labor etwa 25-mal teilen, bevor sie alterten und abstarben. Wurden diese Zellen jedoch mit Blut von Patienten mit Krampfadern in Kontakt gebracht, zeigte sich ein erstaunlicher Effekt: „Die Zellen sind schneller gealtert“, erklärt Mühlberger. „Sie haben sich deutlich seltener geteilt.“ Das deutet darauf hin, dass im Blut von Betroffenen bestimmte Faktoren vorhanden sind, die die Zellalterung beschleunigen – ein möglicher Schlüssel zur Entstehung der Erkrankung.


BLICK NACH VORNE

Venenspezialist Dominic Mühlberger ist gebürtiger Oberösterreicher. Viele Jahre arbeitete er in Deutschland, sammelte dort Erfahrung, übernahm Führungs-verantwortung und vertiefte seine Spezialisierung in der Gefäßchirurgie und Phlebologie. Heute ist er zurück in Österreich und bringt dieses Wissen ein.


Drei Tage pro Woche steht er im Operationssaal des Landesklinikums Melk, einem der wenigen Zentren in Österreich, das sich in dieser Form intensiv mit moderner Venenmedizin beschäftigt. Sein Fokus liegt klar auf der Phlebologie – der Venenheilkunde. „Krampfadern, Thrombosen oder offene Beine sind Volkskrankheiten. Und trotzdem gibt es in Österreich noch keine klar strukturierte Spezialisierung dafür.“

Genau das würde er sich für die Zukunft wünschen: eine stärkere Verankerung der Phlebologie als eigenständiges Teilgebiet der Medizin – ähnlich wie in Deutschland, wo unterschiedliche Fachrichtungen interdisziplinär zusammenarbeiten. Ein Erlebnis hat sich bei all den Jahren im OP besonders eingeprägt: Eine hochschwangere Patientin, kurz vor der Geburt, entwickelte eine schwere Thrombose. Die Situation war kritisch, die Entscheidung schwierig: abwarten oder operieren? „Wir haben uns letztlich für die Operation entschieden“, erinnert sich Mühlberger. In einem aufwendig koordinierten Eingriff arbeiteten Expertinnen und Experten aus Chirurgie und Gynäkologie Seite an Seite: Zuerst wurde das Blutgerinnsel entfernt, dann das Kind geholt. „Das war eine Extremsituation. Aber am Ende haben Mutter und Kind überlebt – und genau dafür macht man diesen Beruf.“ Auch in die Zukunft blickt Mühlberger mit großem Interesse. Die Entwicklungen gehen klar in Richtung minimalinvasiver, präziser und individueller Therapien.


„Die Medizin wird immer schonender und gleichzeitig immer genauer“, sagt er. „Und das ist genau das, was wir wollen: maximale Wirkung bei minimaler Belastung.“



Phlebologie – Behandlung von Venenerkrankungen

Die Phlebologie ist das medizinische Fachgebiet, das sich mit Erkrankungen der Venen beschäftigt.


Dazu zählen:

Krampfadern (Varizen): Erweiterte, geschlängelte Venen durch defekte Venenklappen

Thrombose: Blutgerinnsel in einer Vene – potenziell lebensgefährlich

▸ Lungenembolie: Folge einer Thrombose, wenn sich ein Gerinnsel löst

▸ Ulcus cruris („offenes Bein“): Chronische Wunde durch venöse Durchblutungsstörung

▸ Besenreißer: Feine, oberflächliche Venen – meist ästhetisches Problem


Typische Symptome

▸ Schwere, müde Beine

▸ Schwellungen (Ödeme)

▸ Spannungsgefühl oder Juckreiz

▸ Sichtbare Venenveränderungen

▸ Hautverfärbungen im Knöchelbereich


Risikofaktoren

▸ Genetische Veranlagung

▸ Bewegungsmangel

▸ Langes Sitzen oder Stehen

▸ Schwangerschaft

▸ Übergewicht

▸ Rauchen


Diagnostik

▸ Klinische Untersuchung

▸ Duplex-Ultraschall (zentrale Methode)

▸ In speziellen Fällen weitere bildgebende Verfahren


Therapiemöglichkeiten

▸ Konservativ: Kompressionsstrümpfe, Bewegung

▸ Minimalinvasiv: Laser- oder Radiofrequenztherapie, Schaumverödung

▸ Operativ: Entfernung oder Rekonstruktion von Venen




MICHAELA NEUBAUER ■




 
 
 

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